Offensichtlich verändert sich der Datenschutz. Die Europäische Union plant Unternehmen bei der Umsetzung gesetzlicher Anforderungen zu entlasten, zumindest ist das angekündigt.
Pläne der Politik
Kennen Sie den „Digitalen Omnibus“ – das Reform-Paket der EU mit zahlreichen Vereinfachungen, die das Leben der Unternehmen und Institutionen einfacher macht? Hier wird zusammengefasst, angeglichen, Bürokratie abgebaut. Auch bei den Umsetzungen im Datenschutz wird über Vereinfachungen diskutiert. Das ist zunächst eine sehr gute Nachricht, für alle Unternehmen und Institute, aber auch für alle Datenschützerinnen und Datenschützer. Denn das ist nicht das Ende des Datenschutzes – ganz im Gegenteil: Die Anforderungen und Umsetzungen werden einfacher. Die Verantwortung für Rechte und Freiheiten der Menschen bleibt! Datenschutz soll einfacher werden. Aber nicht unwichtig.
Daten sind Eigentum
In vielen Fällen erscheint die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union (DSGVO) heute als aufwendig. Kleine und mittlere Unternehmen stoßen regelmäßig an ihre personellen Grenzen. Große Unternehmen und Institutionen versuchen die Dokumentationspflichten, Prüfungen und Nachweise in ihre komplexe Struktur zu integrieren. Das kosten Zeit. Zeit die unproduktiv ist, Zeit die nicht da ist. Zeit, die richtig teuer ist.
Und dabei geht es weniger um den Schutz von Daten, sondern vielmehr um den Schutz unserer „Rechte und Freiheiten“. Mit anderen Worten: Es geht um unser Grundrecht gegenüber Unternehmen, Institutionen, Behörden, Autoritäten. Wir sind Eigentümerinnen und Eigentümer unserer Daten. Wer unsere Daten nutzen möchte muss gute Gründe nachweisen. Gibt es keine Grundlage zu einer Verarbeitung, wird kein eindeutiger Zweck nachgewiesen, kann keine Verarbeitung stattfinden. Punkt.
Datenschutz außerhalb der Grenzen der Europäischen Union
Dreht man den Globus, ganz gleich ob rechts oder links herum, kann man sehr gut nachvollziehen, warum unser Europäisches Recht zum Datenschutz richtig und wichtig ist.
- Einreisen in Länder werden verweigert, aufgrund von Posts auf Social-Media-Kanälen
- Ausreisen werden zwangsweise angeordnet, aufgrund von kritischen Meinungen in Chat-Gruppen
- Menschenleben werden eingeschränkt, aufgrund willkürlicher Social Scores
Mit dem Digitalen Omnibus verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, Unternehmen von unnötiger und teils doppelter Bürokratie zu entlasten, und zwar mit:
- Vereinfachungen bei umfangreichen Dokumentationspflichten
- Entlastungen für kleine und mittlere Unternehmen
- Den Fokus auf tatsächlich risikobehaftete Datenverarbeitungen
- Weniger Doppelregelungen zwischen verschiedenen europäischen Rechtsakten
Und deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, den Datenschutz effizienter und deutlich unternehmensfreundlicher aufzustellen.
Veränderte Rolle des Datenschutzbeauftragten
Datenschutz muss wirksam sein, nicht die Unternehmen mit Bürokratie lähmen. Aber auch wenn die Erleichterungen in Kraft treten, die DSGVO mit ihrem Schutzgedanken bleibt bestehen. Unternehmen müssen weiterhin ihre gesetzlichen Verpflichtungen erfüllen, z. B. die Führung eines Verzeichnisses der Verarbeitungstätigkeiten, die Durchführung einer Datenschutzfolgenabschätzung (DSFA, wenn ein hohes Risiko für die Menschen besteht), oder die Umsetzung angemessener technischer und organisatorischer Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten. Anfragen zum Datenschutz müssen beantwortet werden, Datenschutzverletzungen müssen bewertet werden.
Eine weitere gute Nachricht ist, der Datenschutz wird unternehmensfreundlicher und intelligenter. Damit ändert sich auch die Rolle des Datenschutzbeauftragten: Zukünftig tritt seine Dokumentation mehr und mehr in den Hintergrund. Künftig wird Beratung wichtiger. Der Datenschutzbeauftragte entwickelt sich stärker zum strategischen Ansprechpartner für die Leitungsebene, für Fachbereiche und die Compliance Experten im Unternehmen. Dabei entscheidet nicht die Menge der Dokumente über guten Datenschutz, sondern die Qualität der Umsetzung. Darin liegt die Zukunft einer guten Datenschutzberatung.
Fazit
Der Stellenwert des Datenschutzes wird wichtiger, denn noch vor einigen Jahren wurde er häufig als notwendiges Übel wahrgenommen. Diese Sichtweise hat sich komplett verändert. Bürger achten heute deutlich stärker darauf, wie Unternehmen mit ihren personenbezogenen Daten umgehen. Die Menschen sind sich den Gefahren aus den Interessen von Tech-Unternehmen oder staatlichen Akteuren bewusst, und möchten darüber informiert werden, wer die Daten verarbeitet, und warum, wer auf die Daten Zugriff hat und wann diese gelöscht werden. Wer diese Fragen transparent und angemessen beantworten kann, gewinnt Vertrauen, das der Kunden, das der Interessenten, und nicht zuletzt das der Mitarbeitenden.
Lothar Symanofsky berät bei Security Assist Mandanten zum Datenschutz und zur Informationssicherheit. Er hat bei zahlreichen Unternehmen, Behörden und Institutionen als externer Datenschutzbeauftragter und CISO nachhaltige und effiziente Management-Systeme implementiert.